Das Alien in einer parallelen Realität

Aliens and Crop Circles

By Gaspirtz (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Erinnert sich noch jemand an die Werbung, wo zwei Männer an einem Tisch sitzen und Fotos auf den Tisch knallen: Mein Haus, mein Auto, meine Frau…? Nein? Aber bestimmt an eine Situation, wo wechselseitig angegeben wird, was man nicht hätte, könnte, täte, wen man nicht kennen würde – bevorzugt auf Klassentreffen, in Internetforen oder sonstigen Gelegenheiten, bei denen Menschen aufeinander treffen, die im „realen Leben“ kaum etwas miteinander zu tun haben. Und wer nicht in mindestens einer Kategorie mit einem Superlativ aufwarten kann, ist eigentlich schon zum Versager gestempelt. Weswegen es auch das altbekannte Klischee vom Nachbarn gibt, der sich postwendend ein neues, größeres Auto kaufen muss, wenn er herausfindet, dass jemand in seiner Straße gerade eins gekauft hat. Es scheint also ein zutiefst menschliches Bedürfnis zu sein, sich gegenseitig zu übertrumpfen, aber warum eigentlich? Wieso ist dieses „Ich bin aber besser-Spiel“ eine solche Notwendigkeit, dass sich Menschen sogar verschulden oder sonstwie ruinieren, nur um auch mitspielen zu können?

Gut, ich gestehe: ich bin ein Versager. Ich sehe in diesem Spiel keinen Sinn, möchte da nicht mitspielen und kann es auch gar nicht. Ich habe keine Superlative, in keiner Hinsicht, ein ganz normaler Mensch eben. Oder eigentlich: ein Alien. Weil das gibt’s doch nicht, dass da nicht mindestens etwas ganz super-über-drüber-tolles ist, das man anderen unter die Nase reiben könnte. Oder zumindest etwas, das „superer“ ist als das vom Nachbarn, Kollegen, ehemaligen Klassenkameraden, oder sonst jemandem. Und wenn nicht, dann muss eben dafür gesorgt werden, dass es so ist. Nachdem ein Alien das aber nicht schafft, bleibt eigentlich nur, als Außenseiter daneben zu stehen, mehr oder weniger einsam. Vielleicht ist es auch nur der Neid auf all jene, die viel erfolgreicher, hübscher, schlauer oder sonstwie besser sind als ich.

Allerdings: dieses Spiel funktioniert nur, solange relativ wenig Alltagskontakt besteht. Denn hinter der Fassade lauert die Realität. Und diese ist oftmals alles andere als toll: das neue, große Auto ist ein Firmenwagen oder nur geliehen, der Herr Geschäftsführer hat ein schlechtlaufendes Ein-Personen-Unternehmen, die Frau Mode-Designerin ist Hilfskraft in der Schneiderei und die angeblich hochbegabten Kinder, die in der Schule auffallen, erweisen sich als ADHS-krank. Oder der spendable Mäzen lässt die Schecks platzen, weil alles nur auf Pump war. Irgendwie haben doch alle ihre Probleme, keiner ist besser als die anderen, so insgesamt. Trotzdem bleibt das Gefühl, in einer Parallel-Dimension zu leben, wenn man aufgrund der realistischen Einschätzung der Situation zu dem Schluss kommt, nichts Besseres zu sein. Auch, wenn eigentlich klar ist, dass die teuren Urlaube, die sich die Nachbarn „locker“ leisten können, darauf beruhen, dass beide auch noch einen Nebenjob haben, der perfekte Ehemann der Bürokollegin diese betrügt oder sie ihn nur des Geldes wegen geheiratet hat.

Realistisch zu sein, dazu stehen, dass eben nicht alles geht, und schon gar nicht leicht, scheint heutzutage nicht mehr gefragt zu sein. Je größer die Klappe, desto besser der Ruf. Bis eben auf ein paar Aliens, die in einer Realität leben, wo die mit der größten Klappe auch die mit den größten Problemen sind. Und ganz ehrlich? Ich wollte immer schon zu den Men In Black, die nehmen sicher auch Aliens….

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