Fressen und Gefressen werden – Mobbing-Serie Teil 3

Mobbing und seine Folgen

Auswirkungen nach außen

Leider muss es ausgesprochen werden: Mobbing führt meist zum Ziel. In Angestellten-Verhältnissen muss meist einer das Feld räumen, weil eine Bereinigung der Situation anders nicht möglich erscheint. In großen Betrieben geht dies meist noch mit einer Versetzung, in kleineren Firmen endet es oft mit der Kündigung. Des Gemobbten, nicht des Mobbers, in beiden Fällen. Entweder, weil sich das Opfer ohnehin nach einer neuen Umgebung umsieht, um der psychisch sehr belastenden Situation zu entkommen. Oder, weil Vorgesetzte und Kollegen es einfacher finden, das vermeintlich schwache Opfer zu entfernen, als den Aggressor. Oft aber auch, weil unter dem Einfluss von Mobbing Fehler passieren. Konzentration, Arbeitsgeschwindigkeit und Motivation leiden gewaltig, wenn ohnehin jedes Verhalten, jeder Schritt, jedes Wort gegen einen verwendet wird. Und mit offensichtlichen oder auch nur „hineininterpretierten“ Fehlern in der Akte hat man nun einmal einen schweren Stand, wenn es darum geht, den Job zu behalten.

Im Selbstständigen-Bereich führen solche Aktionen nicht selten dazu, dass dem Gemobbten Aufträge entzogen werden, oder er oder sie gar nicht erst in die nähere Auswahl bei der Auftragsvergabe genommen wird. Schließlich hat der potentielle Arbeitgeber schon einiges gehört – und sicher nichts gutes. Je nachdem, wie „mächtig“ und wie vernetzt der Mobber ist, kann dies durchaus Existenz bedrohend sein und dazu führen, dass die Branche, die Gegend oder sogar das Land gewechselt werden muss, um sich anderswo neu und erfolgreich positionieren zu können.

Auswirkungen nach innen – die Psyche

Die psychischen Folgen einer Mobbing-Attacke reichen von Frust und Ärger bis hin zu schweren Depressionen, Burn-Out oder gar Selbstmord. Je nach Vehemenz der Attacken und nach dem privatem Umfeld des oder der Betroffenen können Mobbing Opfer mit der Situation mehr oder weniger gut umgehen. Belastend ist sie auf jeden Fall und die Leistungsfähigkeit sinkt, weil die Energie nicht auf die Arbeit konzentriert bleiben kann, sondern zu einem guten Teil dazu verwendet werden muss, sich gegen immer bösartiger werdende Angriffe zu wehren. Nicht alles kann man schließlich auf sich sitzen lassen: Vorwürfe wie Diebstahl, Betrug, fachliches Unvermögen oder permanent im Umfeld verbreitete Lügen müssen möglichst zügig aus der Welt geschafft werden. Doch stets bleibt „etwas hängen“. Wer aber ständig auf der Hut sein muss, sich jedes Wort, jede Regung überlegen muss, macht zwangsläufig Fehler, steht unter Stress, ist ständig müde und schnell gereizt, vermutet er oder sie doch hinter jeder kritischen Anmerkung, und sei sie noch so sachlich, sofort wieder einen Angriff.

Darunter leiden nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die gesamte Umgebung. Familie, Freunde und eigentlich unbeteiligte Kollegen sind zwangsläufig von der schlechten Laune oder der Niedergeschlagenheit des Opfers betroffen. Nur wenige haben dafür Verständnis, kommen diese doch eher unschuldig „zum Handkuss“ – und jede Kritik aus dieser Ecke trifft in dieser Situation bis ins Innerste und verstärkt das Ganze noch zusätzlich. Irgendwann stecken Mobbingopfer in einer Spirale aus vermeintlichen oder tatsächlichen persönlichen Angriffen, Frust, Angst, Depression, daraus resultierenden Fehlern und schlechter Laune, noch mehr Angriffen, noch tieferer Depression. Für Angestellte bleibt als Ausweg da ein (mehrere Monate langer) Krankenstand, für Selbstständige ist das oft nicht möglich, denn sie sind auf das Einkommen aus ihrer Tätigkeit angewiesen, können nicht eben mal ein paar Monate ausfallen, ohne damit alle Kunden und damit zugleich ihre Existenzgrundlage zu verlieren. So halb und halb sind diese Auswirkungen den Mobbenden auch bewusst – und werden billigend in Kauf genommen, gibt es doch das Gefühl, besser zu sein als das Opfer. Schlimmstenfalls ist der Ruin von Psyche und Existenzgrundlage sogar das Ziel, das es zu erreichen gilt und es wird nicht geruht, bis das Opfer völlig am Boden liegt.

Liebe Länder, Reisen, Bücher, Natur, Tiere – bin studierte Ethnologin, und seit 3 Jahren Texterin, u. a. für Gesundheits- und Lifestyle-Themen.

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