Gurus, Götzen und Propheten – jeder hat ein Recht auf MEINE Meinung!

Der Mensch an sich braucht etwas, an das er glauben kann, so ist er eben. Egal ob innerhalb einer monotheistischen oder polytheistischen Religion, seit Anbeginn der Zeiten gab es irgendwelche höheren Wesen, die angebetet wurden und deren Wille Gesetz war. Und auch jene, die behaupten an nichts zu glauben, glauben halt eben an NICHTS. Oder nennen es Schicksal, Zufall, Philosophie, Weltverschwörung, Aliens…. die Liste ist beliebig verlängerbar. Daran ist nichts verwerfliches, ganz und gar nicht, auch wenn ich diverse Auswüchse diverser Religionen strikt ablehne, so ist doch der Glauben an sich als solcher etwas, das die geistige Gesundheit in schwierigen Lebensphasen ganz erheblich steigern kann.

Die irdischen Folgen

Schwierig wird es erst, wenn die Stellvertreter der höheren Mächte hier auf Erden ins Spiel kommen und allzu irdische Dinge die Marschrichtung vorgeben. Machtmissbrauch, Anhäufung von Reichtümern, Gehirnwäsche, kollektiver Selbstmord (an dieser Stelle sei an den Vorfall in Waco und noch ein paar andere erinnert), Unterdrückung, Glaubenskriege und das Versprechen eines Paradieses im Jenseits für das Leiden im Diesseits sind die offensichtlichsten Probleme, die davon verursacht werden. Vor allem aber haben die Stellvertreter auf Erden eines: immer Recht. Und wenn sie einmal nicht recht haben, tritt automatisch Regel Nummer eins in Kraft, die da lautet „Der (beliebige Bezeichnung) hat immer Recht“.

Religionen ohne Götter

Noch viel schlimmer ist es, wenn es sich bei den „Heilspredigern“ gar nicht um die Stellvertreter angeblich höherer Mächte handelt, sondern um Gallionsfiguren sehr realer Dinge, manchmal auch „Experten“ genannt. Dabei ist es egal, ob es sich um Sport (schon mal mit einem Fußball-Fan über seinen Lieblingsverein diskutiert?), Wirtschaft (wenn XY sagt, der Trend ist tot, dann ist er das), Politik, Architektur, Mode, Pflanzen und Tiere, Technik oder Bildung handelt. Immer gibts welche, die behaupten, die eine einzige Methode für den Erfolg oder das bestmögliche Leben gefunden haben, und immer gibts welche, die das unverändert übernehmen, nachbeten und es unbedingt weiter verbreiten wollen. Selbstverständlich sind die „Vorbeter“ weder Propheten noch wollen sie sich als Gurus verstanden wissen, und ebenso selbstverständlich ist es auch kein Götze, der da angebetet wird, sondern eine höchst sinnvolle Maschine oder Nahrungsergänzung oder Sportgerät. Niemandem fällt auf, dass nur die Gegenstände ausgetauscht wurden, um die sich das Ganze dreht, nicht aber die Art und Weise, wie dieser „Glaube“ funktioniert.

Also alle doof außer ich?

Nein, nicht wirklich, es macht durchaus Sinn, sich verschiedene Expertenmeinungen anzusehen, Gurus zuzuhören und Propheten ihre Theorien verkünden zu lassen, vielleicht auch den einen oder anderen Götzen näher anzusehen. Nur dagegen zu sein, weil alle dafür sind, ist nicht das Gelbe vom Ei. Und öfter einmal ist das schon richtig, was da behauptet wird. Allerdings: ungefragt übernehmen, was da so verzapft wird, muss man ja nichts. Sich SEINE ganz eigene, individuelle Meinung zu bilden, hat noch nie geschadet, auch wenn die nunmal entgegen der der Gurus und ihrer Jünger steht. Gurus sind auch nur Menschen und Propheten prophezeien, haben aber nicht die allgemeine Wahrheit über die Zukunft gepachtet. Wenn allerdings sektenähnliche Züge dazu kommen, macht es vielleicht Sinn, das Weite zu suchen, denn wer keine Meinung ausser der eigenen zulässt, macht für gewöhnlich auch mit den Inhabern abweichender Meinungen kurzen Prozess.

Pragmatische Schlußfolgerungen

Nun sind das alles recht theoretische Abhandlungen, dennoch: allzu oft finden sich in größeren Gruppen Strukturen, die dem oben allgemein beschriebenen ähneln. Egal ob das der neue Trainer, die neue Führungskraft, der Vereinsvorstand oder ein Experte ist: wer die eigene Meinung als das Non-plus-Ultra verkauft, gehört kritisch hinterfragt. Und gesundes Misstrauen ist angebracht, wenn wieder einmal gilt, dass jeder ein Recht auf die Meinung desjenigen „Gurus“ hat, selber denken nicht erwünscht. Hier gilt: ich habe ein Hirn, und ich werde es benutzen!

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