Levina versinkt in 50 shades of grey

 

ESC 2017 – und schon wieder ist Deutschland ganz hinten. Nicht ganz 0 Punkte, aber fast. 6 waren es insgesamt. 3 von der „irrländischen“ Jury, 3 vom Publikum insgesamt. Ja, insgesamt. Eine sehr traurige Bilanz…

Was hat Levina falsch gemacht? Oder was hat Deutschland diesmal wieder falsch gemacht? Seit Jahren dümpeln wir auf den letzten Plätzen herum. Auch vor Lenas Sieg 2010 waren wir immer enttäuscht, obwohl doch meist der 7. Platz drin war oder schlechtestens der 15. wie bei Roger Cicero und Texas Lightning. Das schlechte Ergebnis für die No Angels ließ uns damals nicht erahnen, dass Deutschland auf den letzten Platz abonniert sein könnte. Zwischendurch war es auch mal wieder besser. Roman Lob schaffte immerhin auch den 8. Platz. Was ist also los mit den Musikern, Komponisten und Sängern dieses Landes? Kommen wir so gar nicht im Rest Europas an oder liegt es an den Songs und/oder den Künstlern?

Nachdem wir nun zum 3. Mal hintereinander, mit Ann-Sophie und Jamie Lee, die letzten beiden Plätze belegen, kann man schon von einer Auffälligkeit sprechen… Man mag uns offensichtlich nicht so gern in Europa. Oder man meint, uns ginge es eh zu gut, wir brauchen halt keine Grand Prix Punkte. Gut, kann man so sehen. Aber die Sänger werden im Grunde hart bestraft und vorgeschickt. Es sind noch junge unbekannte Sänger, die sich Hoffnungen auf eine große Karriere machen und abwegig war dies bei den letzten 3 Kandidatinnen keinesfalls. Im eigenen Land wurden sie gefeiert und supportet, man machte sich jedes Mal große Hoffnungen.
Nun mit der blonden Levina wieder das Deseaster. Was lief also falsch?

Ein Plagiatsong hat niemals eine Chance

Sind wir mal ehrlich: Wer will schon mit einem geklauten Song gewinnen oder gut abschneiden? Im Grunde kein Land, das ist unehrenhaft. Bei Levinas Song „Perfect Life“ fiel es leider erst nach dem deutschen Vorentscheid auf, dass der Song auffällige Ähnlichkeiten mit einem David Guetta Hit hat: „Titanium“. Vergleicht man die beiden Songs direkt, kann man das überhaupt nicht mehr leugnen. Es ist nicht nur das Intro und der Gitarren-Riff, wie Levina selbst diesen Song zu retten versucht. Beide Songs klingen streckenweise fast gleich. Aber hört selbst:

Shit happens – aber sollte nicht. Nicht zu fassen, dass es bei der Vorauswahl der Songs zu solchen Pannen kommt und niemand bemerkt, dass es den Song im Grunde schon gibt. Aber dafür kann Levina nichts. Songauswahl: Daumen runter. Fehler Nr. 1.

50 shades of grey – Levina verschwindet im grauen Nebel

Was war denn da los? Als man Levina zum ersten Mal ihren Song auf der großen Bühne performen sah, hoffte man noch, dass dies nicht ihr richtiges Outfit sein möge, sondern sie uns noch überraschen würde. Aber weit gefehlt: Es blieb beim grauen langen Vorhang als Rock und einem bieder hoch geschlossenen Oberteil, dass lediglich den Rücken freiließ, was bei einem solchen Auftritt recht sinnfrei ist, denn das Publikum und die Kameras sind vorne… *hach* Fehler Nr. 2.

Was war nun schlimmer: Das wenig figurbetonte Outfit (und Levina hat eine Modelfigur und trug zu allen möglichen weniger wichtigen Anlässen schmale Hosen, ein hautenges Minikleid oder ein Corsagenkleid) war das eine, das andere die Farbe!
Wer um alles in der Welt ist für die Farbauswahl verantwortlich? Eine junge blonde Frau muss am Abend doch kein Grau tragen! Gut, Grau ist im Trend, aber vor allem für Möbel und Einrichtung, nicht als ideale Abendmodefarbe!! Grau ist eine Farbe für den Businessbereich. *schluchz* Fehler Nr.3.

Wo wir schon bei der Optik sind: Was hat Levina mit ihren Haaren veranstaltet? Beim Grand Prix zeigen die meist attraktiven Sängerinnen gern offenes Wallehaar oder freche Kurzhaarfrisuren. Man überlässt nichts dem Zufall. Was hat Levina gemacht? Sie entscheidet sich für eine brave Hochsteckfrisur mit sehr hochtoupierter Front. Das sah leider höchst brav und gar nicht zeitgemäß aus. Wilde lockere Frisuren mag das Grand Prix Publikum eh lieber. Lena gewann mit dunkler Lockenmähne. Ebenso Conchita Wurst. Davor gewannen Emmelie de Forest mit wilder Naturfrisur und Loreen mit geheimnisvollem Langhaar, das auch eine Perücke sein könnte (Leute, greift einfach zu Perücken, wenn das eigene Haupthaar nicht lang und voluminös ist für den ESC, Extensions tun es auch…).

Hier seht ihr nochmal, wer in den letzten Jahren gewonnen hat, wer Deutschland vertreten hat und auf welchem Platz gelandet ist:

https://www.eurovision.de/geschichte/

Levina hat sich leider auch bei der Wahl ihrer Frisur vergriffen oder sie wurde falsch beraten. Brav und glatt hochtoupierte Hochsteckfrisuren lassen das europäische Publikum nicht in Verzückung geraten. Fehler Nr. 4.

Doch wenden wir mal den Blick von der Künstlerin selbst und betrachten die Bühnenshow: Welche Show? Andere Länder schicken Tänzer auf die Bühne oder wenigstens noch Geiger, Gitarristen etc.  – Bei uns? Seit Jahren nix. Einzelne Sänger werden ausgewählt. Steht der Song fest, ist die Sache geritzt. Mehr Aufwand betreibt man nicht. Keine Show, keine Tanzeinlagen, keine Effekte. Auch Levina stand völlig alleine auf der Bühne, obwohl sie zwei nette, dunkelhäutige Backroundsängerinnen dabei hatte, aber die durfte niemand sehen.

Von Performance und Show also keine Spur. Nun, dann ließe sich ja noch auf spektakuläre Bühneneffekte hoffen, wie es bei den anderen Ländern der Fall war: Feuerwerk, Paris mit Eiffelturm als Hintergrund, Sternenbilder, Wasser, bunte Blumen, wilde Kreise – Fehlanzeige beim deutschen Beitrag. Levinas graues Outfit wurde untermalt von grauen Hintergrundbildern, nicht besonders fantasievoll, grafische Muster Grau in Grau. Eigentlich Wahnsinn, ein junges, unbedarftes Talent so auf die große Bühne zu schicken. Ohne den Support einer großartigen Show oder ein paar schöner Effekte oder Tänzern. *Traurig* Fehler Nr. 5.

Was war die Folge? Levinas natürliches Strahlen, die positive Präsenz, mit der sie den Vorentscheid gewonnen hatte, versank einfach nur im Grau in Grau. Wir sahen zig Schattierungen von Grau und mittendrin ein kleines blasses Köpfchen mit blonder Hochsteckfrisur, das sich eifrig bemühte gegen den grauen Schleier anzusingen. Es gelang ihr nicht.

Übrigens: Nichts gegen Grau! Grau ist als Einrichtungsfarbe zurecht im Trend zurzeit. Aber nur deshalb, weil man es geschickt mit anderen Farben kombiniert. Kein Mensch richtet sich ganz in Grau ein…

Und übrigens: Der Song gilt als Plagiat vom David Guetta Hit „Titanium“ und welche Farbe hat Titanium??? Silbergrau. Punkt. Treffer. Versenkt.

Gesang, Talent und Botschaft

Stimmt, da war ja noch etwas. Eigentlich geht es bei diesem Contest um gute Songs und gute Stimmen. Leider müssen diese sich auch gegen die Konkurrenten durchsetzen. Das gelingt nicht immer mit der Show, wie der Sieger des Abends gezeigt hat. Manchmal gewinnen auch einfach die, die alles anders machen als der Rest. Die, die leise Töne anklingen lassen, kaum Show machen und dafür Gefühle zeigen. Das Konzept gelingt allerdings auch nicht immer.

Levina ist ohne Zweifel eine gute Sängerin mit schönem Timbre in der Stimme. Mit einem anderen Song, anderem Outfit, anderer Bühnenshow hätte sie wirklich Chancen auf die ersten Plätze gehabt. Leider geht auch die beste Stimme beim Grand Prix im Einheitsbrei der lauten und langgezogenenen Tönen unter und die Zuhörerschaft ist schnell durch visuelle Effekte abgelenkt.

Was wir Deutschen in den letzten Jahren stets vernachlässigen: Ein guter Grand Prix Song braucht eine Botschaft. Nicole hat ganz sicher damals nicht gewonnen, weil sie herausragend gesungen oder ausgesehen hätte. Es war der Friedensong. Lenas Botschaft war Lebensfreude und ansteckende Quirligkeit. Die meisten Songs, die uns vorgesetzt werden, haben nur egoistische Botschaften, nach dem Motto: Ich gehe meinen Weg, ich mache Fehler, ich stehe wieder auf. Im Grunde ein einziges „Ich gegen den Rest der Welt“. Warum sollte so etwas gewinnen? Zudem wirkte unserer Song mit dem Titel „perfect live“ wie Ironie für all die Menschen in Europa, die in großer Not leben und die nicht einfach nur „Fehler“ machen und daraus lernen und dann ein perfektes Leben führen können. Songs ohne allgemeingültige Botschaft: Fehler Nr. 6.

Was lernen wir daraus?

Entweder wir lassen frische unverbrauchte Musiker und Bands ran oder wir setzen auf Strategie. Warum müssen es immer einzelne Sänger/innen sein, die aus einem Casting hervorgehen? Warum keine ganzen Bands, wie in anderen Ländern auch?
Die Songs sollten entweder authentisch und zeitgemäß sein oder extra so komponiert, dass sie bei der großen europäischen Masse einen Nerv treffen. Das ist zwar schwierig, aber machbar. Mehr als ein letzter Platz ist immer drin.
Die Songs brauchen eine inhaltliche Botschaft, müssen eingängige Beats und Melodien und einen klaren Refrain haben.
Auf der Bühne muss der Inhalt des Songs wiedergespiegelt werden. Durch Tänzer, Instrumente, Bilder und Hintergrundeffekte. Außer man wählt ganz leise Töne, ein Klavier und eine gute Stimme und dann einen umwerfend guten Song dazu. Bei Johnny Logan beispielsweise stimmte alles.
Halbherzige Songs, halbherzige Outfits und Bühnenshows, die sogar im Vergleich mit den anderen Ländern jährlich blass aussehen, sind einfach peinlich für Deutschland.

Was ist mit dem Gewinnersong?

Der Gewinnersong ist eine durchschnittliche Jazzballade, die nur Leute vom Hocker reißt, die anscheinend noch nie vorher Jazz gehört haben. Gut, beim Eurovisionspublikum ist das wahrscheinlich wirklich der Fall: Man kennt Jazz nur vom Hörensagen. Aus demselben Grund hat damals Lordi gewonnen: Weil Hardrock für die Hörerschaft ungewöhnlich und anders klingt.

In manchen Jahren ist der ESC halt einfach nur eine Farce. Eine Unterhaltungsshow mit sehr viel Publikum, nicht mehr und nicht weniger. Hoffen wir mal wieder aufs nächste Jahr.
Was machen wir mit unseren verbratenen Kandidaten? Es gilt das selbe wie bei den ganzen Castingshows: Keiner sollte sich darauf ausruhen, dass er eine Stimme hat. Lieber eigene Songs schreiben und sich mit Musikalität durchsetzen.

 

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