Mobbing-Serie Teil 6: Opfer sind nicht schuld

Opferbeschuldigungen (Victim blaming)

„Victim blaming oder blaming the victim (dt. Opferbeschuldigung, auch „Täter-Opfer-Umkehr“) ist die Beschreibung für ein Vorgehen, das die Schuld für eine Straftat beim Opfer sucht.

Verbreitet wurde dieser Begriff hauptsächlich in den USA ab den 1970er Jahren, um eine Strategie der Verteidigung bei Vergewaltigungs-Prozessen zu beschreiben, die dem Vergewaltigungsopfer die Schuld an der Tat zuschreiben möchte, um den Angeklagten zu entlasten. Neben Sexualstraftaten findet sich diese Art der Verteidigung auch bei Gewalttaten und Straftaten mit rassistischem Hintergrund. So beschreibt der Psychologe William Ryan „blaming the victim“ in seinem gleichnamigen Buch aus dem Jahre 1971 als eine Ideologie, die den Rassismus gegen Afroamerikaner rechtfertigen soll.

Victim blaming ist auch im Zusammenhang mit dem Verhalten von Narzissten beschrieben worden, die nahestehenden Personen Schuldgefühle suggerieren, um sie davon abzuhalten, ihre Vormachtstellung in Frage zu stellen.“

Soweit Wikipedia.

 

Opferbeschuldigungen sind eher die Regel als die Ausnahme. Reemstma nennt dies einen „sozialen Grundaffekt“. Niemand stellt sich gerne vor, wie verletzlich auch er selbst eigentlich ist. Deswegen vermuten die meisten lieber, das Opfer sei irgendwie mit schuld an seinem Schicksal.

Opfer rufen vielfältige Gefühle hervor: meistens eher Misstrauen und Abneigung, Überdruss, Verachtung und Mitleid gemischt mit Ignoranz. Nötig wäre eher Empathie, auch Objektivität und vielleicht Empörung? Immerhin: es kann jeden treffen! Und die Wahrscheinlichkeit steigt, je länger man die Täter gewähren lässt.

Gewalt verletzt nicht nur den Körper, sondern, oft noch schwerwiegender, die Würde eines Menschen. Wer durch psychische Gewalt (also Mobbing, Stalking etc.) ohnehin zutiefst beschämt ist, hat ein großes Bedürfnis, sich vor weiterer Herabsetzung zu schützen. Traumatisierung und Re-Traumatisierung machen das Finden von Worten ohnehin schwer, diese Form der Sprachlosigkeit entsteht als typische Folge von Gewalt.

Wer also Opfer von Gewalt, besonders psychischer Gewalt wurde, hat häufig ohnehin Schwierigkeiten, zu beschreiben, zu erklären, was passiert ist. Und möchte auch die „Opfer-Rolle“ weit von sich weisen, um sich zu schützen. So wird es aber fast unmöglich, für die eigenen Rechte einzutreten.

 

Ellen Ermert www.du-opfer.info

 

 

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