Wie man die große, böse Welt besiegt

1897 Saloon Blackhawk.jpg
1897 Saloon Blackhawk“. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons.

Wer kennt das nicht, diesen Zustand, in dem man das Gefühl hat, die ganze Welt ist gegen einen? Auf dem Weg zu einem Termin stand man im Stau, und hat den natürlich verpasst. Ein Kunde diskutiert darüber, dass eine Kleinigkeit zu viel berechnet wurde – bei einem Rechnungsbetrag, der locker das 1000-fache des beanstandeten erreicht. Kollegen scheint alles zuzufliegen, während man selber grad Absage um Absage kassiert. Man wird mit fadenscheinigen Ausreden abgespeist, und keiner sagt, was eigentlich Sache ist. Das ließe sich wohl endlos so fortsetzen, und irgendwann sitzt man da, ist völlig gefrustet über „die Anderen“ und die Welt im Allgemeinen, die einem nur Steine in den Weg legt. Meist wird sich dann noch bei Freunden ausgekotzt, virtuell, per Telefon, persönlich, egal wie, man beschwert sich über die erlittenen Gemeinheiten.

Nicht jammern hilft nicht, jammern aber auch nicht

Das Auskotzen ist aus der Sicht des Zuhörers allerdings tatsächlich Gejammer, das man bei guten Freunden durchaus gerne anhört, weil man das auch wechselweise darf. Aber was, wenn man statt Verständnis nur genervte Reaktion erntet, man soll sich nicht so anstellen, anderen ginge es genauso und die würden aber nicht jammern? Das Ausheulen einstellen mag zwar heroisch erscheinen, ist aber nicht die Lösung. Wer alles in sich reinfrisst, und mit sich selber ausmacht, wird krank, weil er seine Psyche nie reinigen, nie die belastenden, nervigen Kleinigkeiten verarbeiten kann, indem er sich drüber beschwert.

Und meist werden die genervten Reaktionen nur noch der Liste der „bösen Dinge, die mir die Welt antut“ hinzugefügt, und sich ein anderes, williges Opfer gesucht, dass sich das dann anhören darf. Das klassische Klischee des Barkeepers, dem ein am Drink hängender verzweifelter Mensch seine Leidensgeschichte klagt, ist da doch gar nicht so weit hergeholt. Am nächsten Tag hat der Barbesucher maximal einen Kater, aber auch keine Lösung für seine Probleme, und die Psychohygiene passt auch nicht. Also doch wieder zurück zu den Freunden, die einem aber erklären, man solle sich nicht so anstellen und so weiter und so fort. Damit befindet man sich schnell in einer Abwärtsspirale, und die Welt erscheint immer böser, und ungerechter und überhaupt!

Der Ausweg aus dem Jammertal

Aber die Welt IST doch böse, und die Kunden/ Kollegen/ Anderen SIND doch schuld! Wirklich? Machen wir einmal einen Schritt auf die Seite, und versuchen, das Ganze aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Und dieser Schritt ist durchaus wörtlich gemeint, einfach, indem man sich an einen anderen Ort begibt, eine Parkbank, ein Flussufer, oder wo immer man sich wohlfühlt, wo man aber nicht unter Menschen ist. Örtliche Veränderung hilft dem Hirn, die Perspektive zu wechseln, zu Fuß oder mit dem Rad dorthin zu gelangen baut über die Bewegung Adrenalin und damit Stress ab, und nimmt ein bisschen die Emotion aus der Geschichte.

So, und nun? Betrachtet man das erlittene Unbill nochmal mit dem bisschen selbst geschaffenen Abstand, kann man auch relativieren: die Diskussion mit dem Kunden ist wirklich mühsam, aber hat nicht eine eigene Angewohnheit, z.B. keine Telefonate zu berechnen, dazu geführt, dass der Kunde nun meint, er bekäme „die eine halbe Stunde, die das dauert“ geschenkt? Redet man selber wirklich immer Klartext, oder erwartet man das nur von anderen? Hm. Wenn man sich dann nochmal fragt, ob die „Anderen“ schuld sind, ist das gar nicht mehr so eindeutig zu beantworten. Und damit ist der Grund für das Gejammer über die große, böse Welt eigentlich meist auch hinfällig.

Lösungen statt Probleme!

Klar, einen schlechten Tag, wo einem alles auf die Nerven geht, hat jeder ab und zu. Damit es aber bei dem einen schlechten Tag bleibt, hilft es oft, sich anzusehen, warum man so schlecht gelaunt ist. Meist gibt es ein paar Faktoren, die zusammen kommen, und manchen nerven mehr, manche weniger. Sich selbst beschummeln (naja, ich bin ja nicht neidisch, aber der/die hat immer Glück) hilft hier aber gar nicht, sondern macht‘s nur schlimmer. Also, immer schön ehrlich sein, und die Faktoren am besten auf ein Blatt Papier schreiben. So hat man auch die Möglichkeit, verdeckte Faktoren zu identifizieren.

Und dann geht’s an die Analyse: Was müsste ich wo ändern, damit das kein Problem mehr ist? Richtig, ICH muss etwas ändern. Das kann sein, klarer zu kommunizieren, dass man nicht umsonst arbeitet, generell nicht. Oder auch die Leute direkt  anzusprechen, was denn jetzt eigentlich wirklich Sache ist, anstatt zu warten, dass diese von sich aus kommen. Natürlich gibt es einige Dinge, wo einem dann nicht einfällt, wie man das ändern kann, aber mit solchen konkreten Fragen zu Freunden/ Kollegen zu gehen, ist keine Schande. Und ganz sicher kein Gejammer! Man ist also schon längst in einer Aufwärtsbewegung, und hat’s gar nicht gemerkt.

Eines muss ich aber sagen: es gibt Dinge, die kann man nicht beeinflussen, man kann das Glück nicht zwingen, und „das Glück des Tüchtigen“ ist auch nur bedingt vorhanden. Diese Dinge muss man akzeptieren, das heisst aber nicht, dass die Welt deswegen böse ist. Sondern nur, dass man als Mensch nicht allmächtig ist. Trotzdem kann man über die Dinge, die man beeinflussen kann, die Welt zu einer großen, netten Welt machen, in der es sich gut leben lässt.

Julia Pfliegl


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

48 ÷ sixteen =