Wunderschön, aber unglücklich: Instagramstar gibt auf

Traurig

200.000 youtube-Follower, 500.000 auf Instagram – ein Traum für viele Beauty- und Fashion-Bloggerinnen, doch Essena O’Neill gab ihn nun auf. 3 Jahre ihres Lebens hat sie nun damit verbracht, immer schön, schlank und top gestylt zu sein – für Fotos. Und die Bestätigung durch Likes und Follower. Nun hat sie genug von der Scheinwelt und sieht ein, „social media has nothing do to with your real life“. Ihr Mega-Erfolg bescherte ihr keine Zufriedenheit und kein glückliches Leben.

Für die ältere Generation, die ohne Internet aufgewachsen ist, ist diese Einsicht nicht überraschend. Wir wissen: Man lebt auch ohne dauernde Online-Präsenz und ohne Selbstvermarktung. Aber klar, wir wissen auch, wie verführerisch die Social-Media-Welt ist. Junge Mädchen können sich selbst zum Model erklären, nur über eigene Accounts. Mit Smartphone und guter Kamera kann man sich heute viel leichter schön in Szene setzen als noch vor 10 Jahren. Man knipst eben so lange, bis man sich schön genug findet. Und hinterher photoshopt man noch das eine oder andere weg. Das alles ist an sich noch kein Problem. Aber leider wird es übertrieben: Die Likes müssen steigen, die Follower müssen mehr werden. Wie sagt Essena in ihrem Video: Die Follower waren nie genug.

Das Geschäft mit dem schönen Schein

Es gibt unzählige von ihnen: Junge, schöne Frauen und blutjunge Mädchen, die sich lasziv, top gestylt, geheimnisvoll, verführerisch oder cool präsentieren. Jeder kann heute Star sein. Jede kann heute Model sein. Doch die Accounts auf Instagram, youtube, Fb und co. wollen gefüttert und gepflegt werden. Peinlich, wenn ein Foto nicht viele Likes und Kommentare bekommt. Man steht mit sich selbst im Wettbewerb. Das wunderschöne Foto von vor 3 Monaten zählt heute nicht mehr. Die Fangemeinde braucht Nachschub und man selbst will sich auch immer wieder neu inszenieren.

Das Leben als Social Media Star lohnt sich finanziell sogar richtig. Namhafte Firmen bieten sich den Mädchen an, sie sollen auf den Fotos ihre Produkte präsentieren, sie sollen die Klamotten tragen, sie sollen ihre Beauty-Produkte zum Schminken nehmen oder sie sollen in ihren Blogs Reviews schreiben. Ein Leben für die Schönheit. Traumhaft schön, nicht wahr? Doch es gibt kein Happy End. Nicht immer und bei vielen erfolgreichen Beauty-Bloggerinnen ist es einfach noch offen. Kann man ewig Beauty-Bloggerin sein? Was ist, wenn man nicht mehr jung und knackig aussieht? Klar, es gibt auch viele Frauen über 35 die eigene Mode- und Beautyblogs führen. Die große Masse der Blogs aber wird von jungen Damen bis ca. 30 Jahren geführt. Keine Frage, es macht den Mädchen und jungen Frauen einen riesen Spaß. Doch die Konkurrenz wächst laufend nach und man ist immer unter Zugzwang.

Die Fotos müssen heute super ästhetisch sein. Es kostet Aufwand solche Fotos zu produzieren. Neben der Inszenierung des Motivs und der eigenen Person, spielt ja auch das Outfit und das Styling eine Rolle. Das muss sorgsam ausgewählt und vorher gekauft sein. Gut, die erfolgreicheren Bloggerinnen und Social Media Influencer bekommen die Produkte einfach geschenkt. Eine ebenfalls sehr erfolgreiche Instagram-Nutzerin, genauso jung wie Essena, nämlich 19, wird überhäuft mit Schmuck ihres Werbepartners. Auf jedem ihrer Bilder sieht man den Schmuck in allen Variationen und Kombinationen werbewirksam präsentiert. Keine Frage, das Mädchen ist eine lebende Litfass-Säule und nichts anderes.

Aufkommende Leere ist der Preis für den Schein

Zugegeben, das macht Spaß: Man bekommt Produkte, die einem eh gefallen, geschenkt und macht ein wenig Werbung dafür. Wer würde nicht mitmachen? Die erfolgreichen Social Media Stars bekommen aber so viel dieser Angebote und richten ihr Leben so sehr auf die Selbstvermarktung als menschliches Beauty-Produkt aus, dass der Mensch dahinter verschwindet. Die Melancholie und Einsamkeit hinter der Fassade kommt bei manchen der In-Blogs in den Texten auch zum Tragen. Wunderschöne, traurig blickende Mädchen schreiben traurige Texte von Einsamkeit, Leere, Ängsten, Sinnlosigkeit des täglichen Einerleis und lassen sich dazu in lasziver Pose auf dem Bett liegend ablichten. Spielt man die verlorene Prinzessin in einer kalten Welt oder ist man wirklich so? Der Leser weiß es nicht. In Wahrheit kommt die Schwermut und das negative Lebensgefühl vielleicht auch nur von der ständigen Online-Präsenz. Alles schmeckt fade und leer, wenn es nicht echt ist.

Schönheitswahnsinn contra Lebensfreude

Die Masse der postenden Beautys und selbsternannten Models befindet sich in einem regelrechten Schönheitswahnsinn. Das Leben in erster Linie auf den äußeren Schein auszurichten, hat noch nie zu Zufriedenheit geführt, kein Wunder also, wenn irgendwann der große Frust kommt, wie jüngst bei der erst 19-jährigen Essena. Sie vermisst Menschen, Kontakte mit Menschen, Gespräche mit Menschen. Dabei ist sie doch noch so jung. In diesem Alter hat man meist einen großen Freundeskreis, feiert Partys und denkt nicht an Morgen. Die ehrgeizige kleine Essena aber wollte schon mit 12 sein wie die Models und Stars in den Medien. Für dieses Ziel hat sie hart gearbeitet. Und sie hat es erreicht. Über drei Jahre lang. Sie hätte echtes Model werden können, denn Angebote hatte sie bereits. Im Moment hat sie aber der Social Media Welt abgeschworen und will sich wieder mehr echten Menschen zuwenden.

Glückwunsch! Sagen wir älteren Semester dazu. Ob sie die Abstinenz aushält ist eine ganz andere Frage. Auch kann sie mit ihren 19 Jahren noch alles mögliche versuchen. Tatsache ist, dass sie nun 3 Jahre ihrer Jugend vor allem mit Postings, Fotos schießen und Selbstinszenierung verbracht hat. Vielleicht hat sie dies alles machen müssen, um anderen Mädchen und Frauen die Augen zu öffnen. Vielleicht auch nicht und alles war nur ein Marketing-Gag. Wir wissen es nicht. Jedenfalls bringt das Geständnis unter Tränen, dass ihre ganze Social-Media-Welt nur Fake war, einen ordentlichen Ruck in die Online-Welt, in der Likes und Follower als echte Währung gelten, wenn sie auch ebenfalls „gefaked“ und gekauft sein können.

Muss man eigentlich Mitleid haben? Könnt ihr selber entscheiden, ihre zahllosen Postings, die sie auf Instagram inzwischen gelöscht hat, sind über die Google-Bildersuche immer noch zu finden. Sieht man das ganze kritisch, kann man auch von einer narzisstischen Generation sprechen, die wortwörtlich nichts anderes im Kopf hat, als Nabelschau… Aber zu ihrer Entschuldigung sei betont: Das Mädel ist erst 19, das wahre Leben kommt erst noch. Sie hat noch viel Zeit für sinnvollere Dinge.

 

Instagram-Star in der Sinnkrise: Wer ebenfalls vom Smartphone nicht wegkommt, sollte mal reinschauen, ab Minute 9 wirds emotional.

J.Florence

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

+ 15 = twoundtwenty