Superfoods – was ist eigentlich aus dem Hype geworden?

Erinnerst du dich noch an die Zeit, als jede Küche aussah wie ein tropischer Regenwald? Ein Löffel Chia-Samen ins Müsli, Acai ins Püree – und natürlich Quinoa als Basis für alles, was sich „Bowl“ nennen durfte.

Und dann waren da plötzlich grüne Smoothies, die ganze Frühstückstische übernahmen: Spinat, Wirsing, Sellerie, gepaart mit Banane oder Mango, serviert in gläsernen Bechern, die instatauglich präsentiert wurden. Alles sollte uns vital, jung und unbesiegbar machen.

Doch heute ist es auffallend still geworden. Die grüne Welle scheint verschwunden, und von Wirsing in Smoothies spricht niemand mehr. Die ausgeflippten Superfood-Ideen sind weg aus der Küche, manche vielleicht auf dem Kompost gelandet. Und die Frage stellt sich: Was ist aus dem Hype wirklich übrig geblieben?

Wie Influencer aus Lebensmitteln Kultobjekte machten

Der Mechanismus ist simpel: Ein relativ unbekanntes Lebensmittel taucht auf, bekommt das Etikett „antioxidativ“ oder „detoxend“, Influencer inszenieren es ästhetisch, Magazine greifen es auf – und schon hat man das Gefühl, mit einem Löffel Chia-Samen seine Gesundheit zu retten.

Es war eine Mischung aus Sehnsucht nach Kontrolle, Selbstoptimierung und Social-Media-Bühne. Doch irgendwann setzte Ernüchterung ein. Wer will schon jeden Morgen stundenlang alles pürieren, nur um einen Instagram-Moment zu erzeugen – während man dabei die Fruchtzuckerbilanz völlig übersieht?

Symbolbild mehrere Bowls, Körner, Samen, Säfte

Fruchtsmoothies – gesund oder Fruchtzuckerbombe?

Denn da liegt ein Problem: Während der Trend der grünen Smoothies für eine Weile als Paradebeispiel für gesunde Ernährung galt, zeigte die Realität eine andere Seite. Täglich gepresste Früchte zu trinken bedeutet, riesige Mengen Fruchtzucker auf einmal zu konsumieren. Banane, Mango, Apfel – schön püriert, aber für den Blutzuckerspiegel und die Fruchtzuckerverdauung alles andere als ein sanfter Start in den Tag.

Ein grüner Smoothie mit Spinat, Wirsing und Sellerie kann gesund sein, ja, aber sobald Früchte dominieren, kippt die Bilanz. Wer also dachte, der tägliche Löffel Superfood im Glas sei ein Allheilmittel, wurde eines Besseren belehrt. Das Konzept „mehr ist besser“ funktioniert hier nicht – und doch wurden wir jahrelang von Influencern und Marketing daran glauben gemacht.

Quinoa, Chia & Co. – was bleibt wirklich?

Und was ist mit Quinoa, Chia-Samen oder Goji-Beeren? Sie sind ernährungsphysiologisch interessant: Eiweiß, Ballaststoffe, Omega-3, Antioxidantien. Aber so einzigartig, wie es der Hype suggerierte, sind sie nicht. Linsen, Leinsamen oder heimische Beeren liefern vergleichbare Nährstoffe – oft nachhaltiger, regionaler, günstiger.

Der Superfood-Hype hat uns gezeigt, wie sehr wir auf schnelle Lösungen fixiert sind, auf das eine magische Korn, die eine Frucht, den einen Smoothie, der alles richten soll. Aber echte Ernährung ist unspektakulärer – und doch wirksamer.

Vom exotischen Hype zum bewussten Alltag

Heute gewinnt, wer den Blick weitet: Wer auf Vielfalt, Regionalität und Maß achtet. Hafer, Walnüsse, Brokkoli, Rote Bete, saisonales Gemüse – das sind die stillen Helden, die uns wirklich nähren. Wirsing, einst Trend in grünen Smoothies, darf wieder als knackiges Gemüse auf dem Teller glänzen, statt in einem Instagram-Glas unter Fruchtbrei zu verschwinden.

Superfood war ein Spielball von Influencern, Algorithmen und Sehnsucht nach Perfektion. Irgendwie war schon damals klar:das eine Superfood gibt es nicht, die Vielfalt macht gesund.

 

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