Warum Scrollen keine Pause ist

 

Wer kennt es nicht? In der Pause von egal was, greifen wir zum Handy, scrollen durch die Social-Media Accounts oder daddeln. Aber das ist keine Pause! Das ist Beschäftigung.

Je länger wir scrollen, desto weniger spüren wir die Pause, die wir eigentlich gesucht haben. Der Kopf wird noch voller, nicht leerer. Die Gedanken springen, statt sich zu setzen. Die Zeit verrinnt, ohne dass wir sie wirklich bemerken.

Wir wissen das alle – und trotzdem tun wir es immer wieder.

Vielleicht, weil das Handy uns eine Art Ersatzruhe anbietet

Es ist eine Ruhe, die nicht aus Stille besteht, sondern aus Ablenkung, früher sagte man Zerstreuung. Eine Pause, die aber nicht zur Tiefe führt, sondern zur Oberfläche.

Das Scrollen füllt Zwischenräume, ohne etwas zu verändern. Unser Gehirn liebt diese kleinen Impulse. Sie sind schnell, vorhersehbar, angenehm. Wir folgen den Eindrücken, weil es einfacher ist, als in die Stille zu treten.

Echte Pausen haben einen anderen Klang

Sie sind langsamer, unscheinbarer, unbequemer auch – und vor allem LANGWEILIGER, dadurch aber ERHOLSAMER. Das aber haben wir nun wirklich verlernt – und zwar über fast jede Generation hinweg.

Das Handy stimuliert unseren Spieltrieb mit all den bunten Bildchen und Inspirationen, obwohl wir nicht endlos Inspiration brauchen, sondern echte Pausen.

Wenn wir das Handy weglegen, entsteht ein Moment, der sich zuerst leer anfühlt. Ein Raum, der nicht sofort gefüllt wird. Wir hören unseren Atem, vielleicht das Ticken einer Uhr, vielleicht nur das leise Rauschen im eigenen Kopf. Vor allem plöppen alle möglichen Gedanken auf. Und Probleme.

Asiatin bereitet Tee zu

Wir brauchen eigentlich nicht zwingend Kaffee, Tee oder Rotwein, um Pausen zu inszenieren.

Echte Pausen merken wir hinterher

Nach einer echten Pause fühlt sich der Körper anders an. Die Schultern sinken ein wenig. Der Blick wird weicher. Die Gedanken ordnen sich, ohne dass wir sie dazu zwingen.

Nach einer Scroll-Pause dagegen bleibt oft ein Rest Unruhe zurück. Das Gefühl, als hätte man etwas gesucht und nicht gefunden. Vielleicht, weil wir in diesen Minuten nicht wirklich bei uns waren, sondern in einer endlosen Reihe von Eindrücken, die uns nicht gehören.

Vielleicht sollten wir Pausen wieder als etwas betrachten, das nicht gefüllt werden muss

Eine Pause muss eigentlich nichts leisten. Sie muss uns auch nicht entertainen und inspirieren. Aber schon die einfache „Raucherpause“, die man aus der Schulzeit kannte, hatte etwas mit Beschäftigung zu tun.

Zugegeben, das Handy ist einfach verführerisch und es kommt uns vor, wie unser eigener Rückzugsort, ist es aber nicht. Schließlich können uns dort fremde Menschen erreichen, entweder per Nachricht oder über ihre Botschaften auf Social Media. Diese Botschaften prasseln unkontrolliert auf uns herein, genau wie die immer negativen News aus aller Welt.

Was wir so locker nehmen, tut uns eigentlich nicht gut. Vor allem nicht der mentalen Gesundheit und die brauchen wir, um etwas leisten zu können.

Junge Menschen leiden dabei vor allem unter den ständigen optischen Vergleichen. Influencer, vor allem die weiblichen, leben als kranke Vorlagen mit aufgespritzten Lippen, Botox, unnatürlichen Körperformen und Einheitsgesichtern vor.

Dazu kommen die Filter, die jedem ermöglichen, ein Wunschäußeres darzustellen. Jetzt haben wir noch die KI, die noch mehr dazu verführt, sich selbst als Traumwunschgestalt darzustellen. Das alles ist bis zu einem gewissen Grade lustige  Spielerei und sollte man sich nicht verwehren.

Aber der Fokus auf solche Oberflächlichkeiten schadet uns. Auch die erfolgreichen Influencer, Stars und Sternchen, die vielleicht alles erreicht haben, was man in dieser Scheinwelt so erreichen kann, bekommen irgendwann Panik-Störungen, Burn-Outs und Zusammenbrüche.

Einige sind plötzlich weg vom Fenster wie Lena Meyer-Landruth, die jetzt viele Jahre sehr aktiv am Social-Media-Leben teilgenommen hatte. Andere sind junge Influencerinnen, die irgendwann anfangen ihr eigenes Kunstbild zu hassen und die ständige Filterei.

In Wahrheit macht auch das schönste Antlitz, der perfekteste Körper einen nicht selbst glücklich, auch wenn man vielleicht wahnsinnig viel Bestätigung dafür bekommt. Die Seele wird dadurch nicht glücklich, sondern das Gegenteil.

Vielleicht müssen einige diesen krassen Weg gehen, es übertreiben mit der Oberflächlichkeit um dann wieder umzukehren. Aber für viele ist es auch schon zu spät, nämlich diejenigen, die es mit Schönheits-OPs bereits übertrieben haben und die es einfach nicht schaffen, der Oberflächlichkeit zu entsagen.

Oberflächlichkeit als Sucht

Oberflächlichkeit tut vielen Menschen gut. Man muss sich keine tiefschürfenden Gedanken machen. Man kümmert sich nur um die schönen Dinge im Leben. Phasenweise ist das sicher sehr erholsam, besonders für Menschen, die Abstand zu Unangenehmen brauchen.

Aber insgesamt führt Oberflächlichkeit in die Leere. Und kommen wir nun zum Handykonsum zurück: Zu viele dieser oberflächlichen Inputs flachen auch uns selbst ab. Vor allem tun sie nicht gut, weil sie keine Tiefe bieten.

Bank vor Aussicht

Echte Pausen inszenieren, aber wie?

In der heutigen Zeit ist es tatsächlich nötig, echte Pausen wieder zu inszenieren und klar, da können wir viel von den Asiaten lernen, die die tägliche Teepause als Ritual inszenieren.

Und das ist etwas ganz anderes, als unsere Kaffeepausen, in denen wir gerne plaudern, klatschen, uns aufregen und das Weltgeschehen diskutieren. Ja, das gehört alles zum Leben dazu und ist wichtig – aber es ist keine echte Pause.

Asiaten wissen das einfach besser: Pause bedeutet für sie Stille, Innehalten, alles runterfahren. Und genau dieses Runterfahren ist schwierig geworden. Zwar kennt die Jugend den Begriff „Chillen“, aber auch das ist ja schon eine richtige Beschäftigung. Es braucht chillige Musik, chillige Atmosphäre und womöglich eine Wasserpfeife.

Da sind Teerituale die bessere Variante, auch wenn man sie in unserem Alltag kaum integrieren kann, so können wir uns davon etwas abschauen: Diese Rituale zwingen, sich Zeit zu nehmen, auch für etwas Banales.

Ja, wir haben etwas Ähnliches – und das ist das Glas Rotwein am Abend, nicht? Genau das ist der Haken. Weil wir dann Rotwein mit Entspannung und „Runterfahren“ verbinden ist der erste Stein in die Abhängigkeit gesetzt. Nein, wir brauchen tatsächlich keinen Alkohol um zu entspannen.

Meditative Pausen einlegen

Man kann für seine Pausen natürlich ein Getränk als Hilfsmittel oder als äußeres Zeichen dazu nehmen. Getränke wie Kaffee, Tee oder Kakao stehen für viele Menschen symbolisch für Entspannung und Pause.

Aber diese Abhängigkeit von etwas, was wir uns zuführen, müsste nicht sein. Meditative Pausen sind viel effektiver. Das Wichtigste ist, dass der Geist mal zu Ruhe kommt. Auch positive Ablenkungen, schöne Bilder, lustige Videos etc. sollten dann wegfallen.

Der Geist braucht diese Ruhe um sich zu sortieren und damit wir den Weg in unsere Mitte immer wiederfinden. Viele halten diese Ruhe aber gar nicht mehr aus. Besonders junge Menschen haben das Gefühl, sie verpassen sofort etwas, wenn sie nicht auf ihr Handy schauen.

Sie brauchen allerdings auch weniger Ruhe und Entspannung als ältere, die voll im Beruf stehen. Um Probleme zu lösen, Eindrücke in der Arbeitswelt zu verarbeiten, Konflikte zu analysieren, braucht es Abstand und Ruhe, keine neuen Inhalte und Nachrichten aus aller Welt.

Für Meditationen gibt es sehr viele Anleitungen und Videos im Web. Das Wichtigste aber ist: Den Gedankenfluss unterbrechen. Den Gedanken zwar zuhören, aber nicht auf jede Idee, jedes Problem, jede Vision gedanklich einzugehen. Sondern sie vorbeiziehen zu lassen.

Diese „Prozedur“, die für viele absolut schwer ist, sollte man jeden Tag wenigstens für ein paar Minuten machen. Währenddessen merkt man wie der Körper an bestimmten Stellen wieder entspannt, der Atem sich vertieft, man förmlich wieder durchatmet.

Nicht immer stressen uns irgendwelche Probleme, oft ist es nur das Eingeprassel von Informationen und den täglichen schlechten Nachrichten aus aller Welt.
Und wenn man denn kapiert hat, dass man nicht auf jede Idee, jeden Gedanken in seinem Gehirn eingehen muss, lernt man auch anders zu scrollen und sich weniger aufploppenden Nachrichten hinzugeben.

Wie sagen Eckhart Tolle und andere Meister der Meditation: „Glaube nicht alles, was du denkst“ und „Du bist nicht der Denker, sei der Beobachter deiner Gedankten.“

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert