Warum gefrorene Beeren heikel sein können – und wie du sie sicher genießen kannst

Eis aus gekauften, gefrorenen Beeren? Besser nicht! Sie könnten mit Viren kontaminiert sein. Erfahre mehr!

Gefrorene Himbeeren, Erdbeeren, Heidelbeeren oder Beerenmischungen gelten als gesund, praktisch und vitaminreich. Viele Menschen geben sie morgens direkt ins Müsli, mixen sie in Smoothies oder verwenden sie für Desserts.

Auf Social Media wird seit einiger Zeit der Trend propagiert, gefrorene Beeren mit Sahne und Zucker in den Mixer zu geben und so ein schnelles Eis herzustellen oder ein Sorbet ohne Sahne. Aber das ist keine gute Idee!

Tiefgekühlte Beeren gehören zu den Lebensmitteln, die immer wieder mit Noroviren oder Hepatitis-A-Viren in Verbindung gebracht werden.

Auch aktuell gibt es wieder einen Rückruf von einem solchen Bio-Mischprodukt. Leider ist es oft zu spät, wenn das erkannt wird und wir müssen uns alle daran gewöhnen, vorsichtig mit gefrorenen Beeren etc. umzugehen.

Muss man ganz auf Tiefkühlbeeren verzichten? Keineswegs. Wer einige einfache Regeln beachtet, kann sie weiterhin bedenkenlos genießen. Allerdings ist die Möglichkeit der Zubereitung nicht so wie mit frischen, gut gewaschenen Beeren.

Warum gefrorene Beeren heikel sein können – und wie du sie sicher genießen kanns

Warum können gefrorene Beeren Viren enthalten?

Im Gegensatz zu Bakterien werden Viren durch das Einfrieren nicht zuverlässig abgetötet. Sie können monatelang in tiefgekühlten Lebensmitteln überleben und nach dem Auftauen weiterhin infektiös sein.

Die Verunreinigung geschieht meist schon während des Anbaus oder der Ernte, beispielsweise durch:

  • verunreinigtes Bewässerungswasser
  • mangelnde Hygiene bei der Ernte
  • kontaminierte Waschwässer
  • unsachgemäße Verarbeitung

Da Beeren häufig nicht geschält oder gekocht werden, gelangen eventuell vorhandene Viren direkt auf den Teller.

Norovirus – hoch ansteckend

Noroviren verursachen den klassischen Magen-Darm-Infekt. Typische Beschwerden sind:

  • plötzliches Erbrechen
  • starker Durchfall
  • Übelkeit
  • Bauchkrämpfe
  • leichtes Fieber

Schon wenige Viruspartikel reichen für eine Ansteckung aus. Deshalb verbreitet sich das Norovirus besonders schnell.

Hepatitis A – seltener, aber ernster

Auch Hepatitis-A-Viren wurden bereits mehrfach auf gefrorenen Beeren nachgewiesen.

Die Erkrankung betrifft die Leber und beginnt häufig mit:

  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Übelkeit
  • Fieber

Später kann sich eine Gelbfärbung von Haut und Augen entwickeln. Besonders für ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen kann Hepatitis A belastend sein.

Warum sind gerade Tiefkühlbeeren betroffen?

Beeren wachsen bodennah und besitzen eine empfindliche Oberfläche. Sie werden meist maschinell oder von Hand geerntet und anschließend nur gereinigt sowie eingefroren.

Das Einfrieren konserviert Geschmack und Vitamine – leider aber auch vorhandene Viren.

Hinzu kommt, dass viele Tiefkühlmischungen Früchte aus verschiedenen Ländern enthalten. Dadurch wird die Rückverfolgung im Fall einer Verunreinigung schwieriger.

Wie sollten gefrorene Beeren verwendet werden?

Die wichtigste Regel lautet:

Tiefgekühlte Beeren sollten vor dem Verzehr erhitzt werden.

Das gilt insbesondere für:

  • Smoothies
  • Müsli
  • Joghurt
  • Desserts
  • Eis
  • Kuchenfüllungen

Empfohlen wird, die Beeren auf mindestens 90 °C für etwa zwei Minuten zu erhitzen. Erst dadurch werden Noroviren und Hepatitis-A-Viren zuverlässig inaktiviert.

Wer ein Beerenkompott, rote Grütze, eine Fruchtsauce oder Marmelade zubereitet, ist daher auf der sicheren Seite.

Darf man gefrorene Beeren trotzdem roh essen?

Gesunde Erwachsene haben zwar oft ein geringeres Risiko für schwere Verläufe. Dennoch empfehlen Behörden das Erhitzen insbesondere für:

  • Schwangere
  • ältere Menschen
  • Kleinkinder
  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem

Für diese Personengruppen sollten tiefgekühlte Beeren grundsätzlich nicht roh verwendet werden.

Sind frische Beeren sicherer?

Leider nicht unbedingt.

Auch frische Erdbeeren, Himbeeren oder Heidelbeeren können mit Krankheitserregern belastet sein. Das Risiko entsteht ebenfalls während Anbau, Ernte oder Transport.

Der Unterschied besteht vor allem darin, dass frische Beeren meist schneller verzehrt werden und seltener aus vielen verschiedenen Chargen stammen.

Vor dem Essen sollten frische Beeren:

  • gründlich unter fließendem Wasser gewaschen werden
  • beschädigte Früchte aussortiert werden
  • möglichst frisch verzehrt werden

Das Waschen reduziert Schmutz und einige Keime, entfernt Viren jedoch nicht vollständig. Beeren von regionalen Bauern zu kaufen, gilt als sicherer.

Betrifft das nur Beeren?

Nein.

Auch andere tiefgekühlte Lebensmittel können Krankheitserreger enthalten. Allerdings unterscheiden sich die Risiken je nach Produkt.

Tiefgekühltes Gemüse

Bei Tiefkühlgemüse standen in den vergangenen Jahren vor allem Listerien im Mittelpunkt. Besonders Mais, Spinat oder Mischgemüse waren vereinzelt betroffen.

Da Gemüse normalerweise gekocht wird, ist das Risiko gering.

Tiefgekühlte Kräuter

Gefrorene Kräuter können ebenfalls Keime oder Viren tragen! Werden sie erst beim Kochen zugegeben, besteht kaum Gefahr. Problematisch wird es nur, wenn sie ungegart verwendet werden.

Tiefgekühlte Meeresfrüchte

Muscheln oder Garnelen können Viren und Bakterien enthalten. Sie sollten grundsätzlich vollständig durchgegart werden.

Tiefgekühltes Fleisch und Geflügel

Hier spielen andere Erreger eine Rolle, etwa:

  • Salmonellen
  • Campylobacter
  • Listerien

Auch diese Lebensmittel müssen vollständig durchgegart werden.

Muss man jetzt auf Tiefkühlprodukte verzichten?

Ganz klar: Nein.

Tiefgekühlte Lebensmittel gehören zu den sichersten Lebensmitteln überhaupt. Sie werden meist sehr schnell nach der Ernte eingefroren und enthalten häufig sogar mehr Vitamine als lange gelagertes Frischgemüse.

Entscheidend ist lediglich die richtige Zubereitung.

Praktische Tipps für den Alltag

  • Tiefkühlbeeren vor dem rohen Verzehr immer erhitzen.
  • Smoothies besser mit erhitzten und anschließend wieder gekühlten Beeren zubereiten.
  • Frische Beeren gründlich waschen.
  • Die Kühlkette möglichst nicht unterbrechen.
  • Auf Produktrückrufe achten und betroffene Ware entsorgen.
  • Besonders empfindliche Personen sollten grundsätzlich keine rohen Tiefkühlbeeren essen.

Geht Erhitzen mit Mikrowelle?

Wenn es morgens schnell gehen soll, wird man nicht so gern noch Beeren im Topf erhitzen wollen für das Müsli. Die Mikrowelle bietet sich eher an. Aber es gibt da einen Haken: Die Beeren müssen wirklich vollständig durchhitzt werden. Mikrowellen erwärmen Lebensmittel oft ungleichmäßig, sodass manche Stellen schon sehr heiß sind, während andere noch kühl bleiben.

Die Empfehlung der Lebensmittelbehörden lautet:

  • Mindestens 90 °C für etwa 2 Minuten erreichen. Das ist die Temperatur, bei der Noroviren und Hepatitis-A-Viren zuverlässig inaktiviert werden.

Wie gelingt das in der Mikrowelle?

Da Mikrowellen unterschiedliche Leistungen haben, gibt es keine allgemeingültige Einstellung. Als Orientierung:

  • 800–900 Watt (meist höchste Stufe)
  • Die Beeren in einem mikrowellengeeigneten Gefäß erhitzen.
  • Zwischendurch einmal gut umrühren.
  • Weiter erhitzen, bis die Beeren sichtbar sprudelnd kochen.
  • Anschließend noch etwa 2 Minuten heiß halten bzw. weiter erhitzen.

Gerade größere Mengen brauchen entsprechend länger als eine kleine Portion.

Ist ein Topf besser?

Ja. Im Topf lässt sich besser erkennen, wann die Beeren richtig kochen. Außerdem verteilt sich die Hitze gleichmäßiger. Für Kompott oder als Vorbereitung für Smoothies ist das die sicherste Methode.

Ein Tipp für Smoothie-Fans

Viele Menschen kochen ihre Tiefkühlbeeren einmal kurz auf, lassen sie anschließend vollständig abkühlen und frieren kleine Portionen wieder ein oder bewahren sie im Kühlschrank auf. So können sie später problemlos für Smoothies oder Joghurt verwendet werden, ohne dass ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht.

Was ist mit Alkohol – tötet der den Norovirus ab?

Viele kennen es vielleicht: Der Obstsalat bekommt 2 TL Obstbrand oder Likör, damit er nicht nur besser schmeckt, sondern auch „desinfiziert“ wird. Das mag für manche Bakterien und Keime stimmen, aber nicht für Noroviren oder Hepatitis-A-Viren!  

Alkohol im Essen (Rum, Amaretto, Likör, Wein)

Wenn du Tiefkühlbeeren beispielsweise mit:

  • Rum,
  • Kirschwasser,
  • Rotwein oder
  • einem Likör

verfeinerst, reicht der Alkoholgehalt bei Weitem nicht aus, um die Viren abzutöten. Selbst hochprozentige Spirituosen wirken im Lebensmittel nicht zuverlässig, da sie nicht lange genug und nicht in ausreichender Konzentration auf die Viren einwirken.

Ein Dessert mit rohen Tiefkühlbeeren und einem Schuss Rum ist daher nicht sicherer als eines ohne Alkohol.

Desinfektionsmittel mit Alkohol

Auch hier ist Vorsicht geboten. Viele alkoholische Händedesinfektionsmittel wirken zwar hervorragend gegen Bakterien und viele Viren, Noroviren sind jedoch besonders widerstandsfähig. Nicht jedes Desinfektionsmittel kann sie inaktivieren.

Für Noroviren sind nur speziell als „begrenzt viruzid PLUS“ oder „viruzid“ gekennzeichnete Desinfektionsmittel geeignet. Normale alkoholische Handdesinfektionsmittel reichen oft nicht aus.

Warum hilft Hitze besser?

Noroviren und Hepatitis-A-Viren besitzen eine sehr robuste Hülle (genauer gesagt: keine Lipidhülle, weshalb sie als „unbehüllte Viren“ besonders widerstandsfähig sind). Dadurch überstehen sie:

  • Gefrieren,
  • viele Reinigungsmittel,
  • Säuren und
  • Alkohol

deutlich besser als viele andere Viren.

Ausreichende Hitze ist deshalb die zuverlässigste Methode, sie in Lebensmitteln unschädlich zu machen.

Interessanter Vergleich

Vielleicht kennst du das von Tiramisu oder beschwipsten Erdbeeren: Obwohl Alkohol enthalten ist, werden dafür verwendete rohe Zutaten dadurch nicht steril. Der Alkohol dient vor allem dem Geschmack – nicht der Lebensmittelsicherheit.

Das ist übrigens einer der Gründe, warum die Behörden ausdrücklich empfehlen, Tiefkühlbeeren vor dem Verzehr zu erhitzen, selbst wenn sie später in einem Dessert mit Alkohol verarbeitet werden.

Leider wissen das viele von uns gar nicht! Und es steht auch kein Warnhinweis auf den Packungen. Sie nehmen Himbeeren, Brombeeren und co. ahnungslos zur Tortendekoration.

Denn die schockgefrorenen Beeren behalten ja ihre Form und man denkt automatisch, man könnte sie so verwenden. Solche Dekorationen und Desserts sollte man besser mit frischen, gut gereinigten Beeren erstellen.

Gefrorene Beeren also eher für Kompott, Püree, Saucen. Dem Geschmack tut das Erhitzen keinen Abbruch. Im Gegenteil oft entwickeln sich mehr Aromen durch das Erhitzen.

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